Alt und grau

 

 

„Alt und grau“

(Die Mümmelgreise)

 

Bin heute traurig und nicht gerade bester Laune; denn meine liebevolle Freundin rief mir einen ganz schlimmen und baldigen Tag ins Gedächtnis:

„Du Schatzi, was wünscht Du Dir denn zu Deinem Geburtstag?“

war ihre Frage. Ich blickte ihr total schockiert in die rehbraunen Augen und war total perplex. Ist es denn schon wieder soweit? Hatte ich nicht gerade Geburtstag?

 

Ach du meine Güte. Wie die Zeit verrinnt… Und Schatzi möchte diesen für mich deprimierenden Tag auch noch feiern. Sie meint dann immer:

„Nichts macht die Liebe zu Dir kleiner, auch nicht Gicht und Alzheimer!“ (nach Walter Moers)

 

Gäste, die ihr Beileid aussprechen möchten, will sie auch noch einladen. Die sind natürlich auch nicht mehr die jüngsten. Da gibt es für alle mit den 3. Zähnen wieder lecker Suppe…wie die letzten Jahre halt auch immer. Aber eines geht ja trotzdem… Auch im hohen Alter und nahe der anstehenden Seneszenz läuft sowas immer noch von oben nach unten… Gut, dass es ihn gibt, den Alkohol!

 

Der einzige Trost ist, dass alles spätestens um 20:00 Uhr zu Ende ist, da die noch unter uns weilenden Leidensbrüder und -schwestern mittels Krankentransport rechtzeitig wieder ins Altenheim gebracht werden müssen.

Vorher noch schnell ein gemeinsames Gedicht; denn singend auf dem Tisch tanzen und rumgrölen geht nämlich nicht mehr:

 

Mümmelgreise

(von Wilhelm Busch)

Mümmelgreise, grau und kalt,
sind oft 70 Jahre alt.
Waschen selten sich mit Seife,
rauchen aus 'ner kalten Pfeife,
tragen meistens schäbige Hüte,
schnupfen aus der Tabakstüte.
Oft auch ist die Frau gestorben,
der Geschlechtstrieb ist verdorben,
und zum Wässern lediglich
dient der Schnibbeldiederich.
Zieht er dazu ihn heraus,
geht der Strahl nicht geradeaus,
und auch nicht im hohen Bogen
wirft er seine Wasserwogen.
Nein, ganz langsam, halb im Schlafe,
wie zum Ton der Äolsharfe,
und in größter Seelenruh'
wässert er sich auf die Schuh'.

 

Ein kurzer Blick in meinen Kalender bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen. Ja, es ist bald wieder Dezember und 3 Tage nachdem der Nikolaus seine Ruten verteilt hat, kommt es zu diesem besorgniserregenden Ereignis.

Die ganze HMC-Chefetage hat im Dezember Geburtstag. Also auch der liebe Veithi, zusammen übrigens mit dem Christkindchen, Ricky Martin, Louis Tomlinson, Willi Reimann, Lorielle London…und ich halt.

Hilfe, was mache ich nur? Ich werde immer älter und älter.

Zu den Alterssyndromen werden übrigens auch Intelligenzabbau, Immobilität, Instabilität (z. B. Sturz im Alter), Inkontinenz (Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz) und das Nachlassen der Sinnesleistungen gerechnet.

Bald bin ich weg. Bald werde nicht mehr knusprig sein, sondern reif für den Kompost. Ich werde bald kalt sein und in so einer alten Holzkiste liegen. Nett ist dann auch noch dieses tolle `Liebeslied` von meinem unwesentlich jüngeren Chef Veithi:

 

Wenn ich großes Glück habe, meint er mich vielleicht gar nicht…

Nichtsdestotrotz sagt der dann noch mit vollem Ernst, er sei knackig. Das ich nicht lache.

Er hätte vor dieser Äußerung besser mit seiner Freundin gesprochen…

 

Lieber Veithi. Lass dir gesagt sein:

„Biste erst mausetot, wirste auch nicht mehr rot!“

Zu Deinem ebenfalls im Dezember stattfindenden Geburtstag werde ich Dir übrigens auch ein kleines Ständchen bringen:

 

Bei dem Gedanken an die Seneszenz erfasst ein eiskalter Schauer meinen behaarten Rücken. Oh je, aber immerhin wächst da wenigstens noch was…

Das Schlimme ist ja auch, dass der Körper schneller altert als mein Gehirn. Alles, was mit Bewegung zu tun hat, wird immer beschwerlicher. Das fängt mit dem Aufstehen am Morgen an und geht hin bis zum nachlassenden Sexualleben. Glücklicher Weise wird aber auch meine Partnerin diesbezüglich ja auch nicht gerade jünger. Sie regt sich nur immer auf, wenn ich nachts 5 – 10 Mal aufstehen und pinkeln muss.

Mist, der Spiegel im Bad lügt auch nicht. Kaum noch Haare, Falten wohin man schaut und dort wo früher mal Muskeln waren, hängt alles schlaff herunter.

Apropos schlaff… ich kann mein Ding gar nicht mehr sehen. Liegt das jetzt an meinen schlechter werdenden Augen oder an meinem heranwachsenden Bäuchlein. Ich weiß es nicht, egal.

Genug genörgelt. Schließlich ist das Leben kein Ponyhof. Auch diesen sogenannten Ehrentag werde ich überstehen… Suizid wäre ja auch keine Lösung!

Und falls mir jemand etwas schenken möchte…ich will keine Gehhilfe oder ein Sitzkissen für meine Hämorriden! Schenkt mir einfach etwas, woran ich Spaß habe. Vielleicht etwas aus einem Sexshop. Damit meine ich aber keine Viagrapillen. Das wird bestimmt schon wieder und sollte auch ohne diese teuren Tabletten gehen. Helfen könnte da ja auch eine vollbusige blonde Pflegekraft in Form einer schlanken Krankenschwester. Die könnte mir dann ja auch bei meinen nächtlichen Toilettengängen zur Seite stehen und mal Hand anlegen…

 

Viele altersschwache Grüße von Eurem

joeniel

 

 

 

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Dieser Artikel stammt von:

Joeniel
Joeniel

Hallo zusammen. Auch mit über 50 unterstütze ich Veithi bei seinem tollen Hattrick-Projekt HMC als Redakteur unter dem Pseudonym joeniel. Einmal im Monat könnt ihr hier bei HMC die Glosse lesen, in der alle wichtigen Themen schonungslos auf den Tisch kommen. Ich bin glücklich liiert und freue mich meines Lebens. Wohnhaft bin ich im schönen Ruhrgebiet und habe außer der Glosse keine weiteren Hobbys…Ich bin ja auch fast schon im Ruhestand!

Viele Grüße von Eurem joeniel

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