Desired track

 

 

Desired Track

(1 x Kur und zurück)

 

Leider ist meine Kur auch schon wieder beendet und das Arbeitsleben hat mich wieder… Ich wäre gerne noch geblieben. Kein Einkaufen, kein Kochen und kein Zimmeraufräumen waren schon ne feine Sache.

Zumal die paar Anwendungen wie Bodenturnen und seinen Namen tanzen viel Spaß gemacht haben. Der Spaß war aber auch nur deshalb so groß, weil ich tolle Mitpatienten hatte.

Besonders erwähnenswert ist da der nette Mensch, der mir beim Essen jeden Tag gegenüber saß. Ich nannte ihn immer liebevoll den „Chef des Tisches“.

Mein Gott, was waren wir immer freundlich zueinander. Jeder schenkte dem anderen immer schon ein Glas feinstes Heilwasser ein, wenn der andere seine vitaminreiche Suppe holte.

Lustig war auch der Kollege, den ich aufgrund seines Vornamens und seiner wundervollen Haarpracht immer „Wolle“ nannte.

Ein Nichtraucher vor dem Herrn. Dieser Mensch verfolgte mich sogar bis in die Raucherecke und hielt liebevolle Vorträge über eine mögliche Schädigung meines Herz- und Kreislaufsystems.

Zudem war er Fan von Schalke 04 und lieferte sich mit unserem „Borussen“, der bei jedem Training das schwarzgelbe Trikot trug heiße Wortgefechte. Da musste sich sogar unser Sporttherapeut das eine oder andere Mal vor Lachen auf dem Boden krümmen. Das wollte er uns dann anschließend als eine Hüftentspannungsübung verkaufen…

Dann war da noch der gebürtige Mülheimer. Eine sehr netter Gesprächspartner, der aufgrund seiner weißes Haarpracht, seines weißen Bademantels und seiner ebenfalls weißen Handtücher nur die „Grauweiße Eminenz“ gerufen wurde.

Natürlich darf bei solchen Veranstaltungen auch kein netter Mensch aus dem nördlichen Teil Deutschlands fehlen.

Unser immer zuvorkommender und fahrradfahrender „Der Kalauer“.

Äußerst liebevoll kümmerte er sich immer um unsere einzige weibliche Mitpatientin in unsere Turngruppe und unterhielt sich, sie und uns mit geschätzten 567 Witzen und Kurzgeschichten pro Tag.

Unser Therapeut „Lecker Muskeltraining“ gab sich aber nie geschlagen und warf unserer „Prinzessin“ immer mal wieder 2 große Bälle zu.

Lustige Spitznamen hatten wir uns gegeben und es wurde viel gelacht und selten was gemacht…

Nur ein Scherz natürlich. Wir haben so viel trainiert und geturnt, dass wir abends todmüde ins Bett gefallen sind. Somit konnten wir auch nie die auf Großbildleinwand im Hörsaal gezeigten Europapokalspiele der deutschen Mannschaften verfolgen.

Niemals wurde auch nur ein Tropfen Alkohol getrunken; denn das tägliche Training war das A und O hier in dieser Kur.

Viele von meinen Mitpatienten wohnten so wie ich im 5. Stock des Klinikgebäudes und wurden in vielen Einzelstunden von „Lecker Muskeltraining“ im Fahrstuhlfahren trainiert.

Dieses spezielle Training lehnte sich selbstverständlich an die neuesten sportmedizinischen Studien an. Gerade im Hinblick auf den letzte Woche in der Glosse erwähnten Norovirus wurden wir Fahrstuhlfahrer in „energischen Husten“ und in „in den Nacken atmen“ gegenüber anderen gruppenfremden Mitfahrern geschult.

„Po aufs Klo“ hieß der Leitspruch von „Lecker Muskeltraining“.

Aber nach 3 Tagen Beckentraining wussten wir alle, wofür das gut sein sollte; denn alle Gruppenteilnehmer können nun mit den entsprechenden Muskeln steuern, ob sie laut oder leise Pupsen wollten. Das kann in einem überfüllten Fahrstuhl schon einmal sehr hilfreich sein…

Keine Chance hatten wir hier natürlich gegen die sehr häufig anzutreffenden Rentner. Gegen deren Rentnerfürze konnten wir einfach nicht gegenanstinken; denn der „Rentnerfurz“ zeichnet sich in erster Linie durch seinen dumpfen, dennoch hohen Grundton aus und ist kaum auszuhalten. Die älteren Herrschaften unterdrücken den Reiz  nämlich so lange, bis er am Schließmuskel nicht mehr fühlbar ist und drücken dann einfach los – der entstehende Flatus klingt als wäre man 83. Der Furz ist faul, dumpf und klingt kräftig geranzt. Bouquet und Geschmack sind vom Verdauten abhängig und in der Regel ungenießbar, teilweise sogar giftig und lebensbedrohlich. Schließlich sagt ja auch ein altes Sprichwort:

„Wer täglich furzet, dass es knallt, wird 99 Jahre alt.“

Nicht umsonst fordern viele Umweltschützer ein generelles „Furzverbot“ in Deutschland. Noch stemmen sich allerdings die Proktologen im Bundestag mit aller Kraft dagegen

Trotzdem war die Kur ein voller Erfolg. Jeder war nach 3 Wochen zufrieden und ausgelaugt. Ziel also erreicht. Nur mit der Wiederherstellung der Arbeitskraft hat es diesmal nicht ganz geklappt.

Ist ja nicht so schlimm; denn in genau 5 Jahren geht es ja wieder los, und die nächste angestrebte Rehabilitation bringt uns dann bestimmt wieder alle auf einen neuen Kur(s).

 

Viele gesäßmuskelentspannte Grüße von Eurem

joeniel

 

 

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Dieser Artikel stammt von:

Joeniel
Joeniel

Hallo zusammen. Auch mit über 50 unterstütze ich Veithi bei seinem tollen Hattrick-Projekt HMC als Redakteur unter dem Pseudonym joeniel. Einmal im Monat könnt ihr hier bei HMC die Glosse lesen, in der alle wichtigen Themen schonungslos auf den Tisch kommen. Ich bin glücklich liiert und freue mich meines Lebens. Wohnhaft bin ich im schönen Ruhrgebiet und habe außer der Glosse keine weiteren Hobbys…Ich bin ja auch fast schon im Ruhestand!

Viele Grüße von Eurem joeniel

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